Wohnen und Heizen im alten Graubünden

Mardi, 27.10.26, 18.30

Rätisches Museum, Chur

Ein offener Kochkessel in einer Alphütte (Chalet Bernois) in Champéry-Barmaz im Wallis, um 1920. Das Bild veranschaulicht die enge Verflechtung von häuslicher Wärme und Alltagspraktiken. (Foto: Sammlung Hausforschung und Brauchtum, SGV_03D_00149 / Empirische Kulturwissenschaft Schweiz EKWS)

Wärme in den Häusern - Wie man in den Schweizer Alpenregionen einst wohnte und heizte

Vortrag von Dr. Andreas Kalpakci, Architekturhistoriker

 

Wie warm waren unsere Häuser früher? Heute, nach zwei Jahrhunderten technologischer Entwicklungen, in deren Mittelpunkt Zentralheizungen sowie fossile und erneuerbare Energiequellen standen, wird die Wärme im Wohnbereich in erster Linie als Frage der technischen Leistungsfähigkeit betrachtet. Unsere Gesellschaft hat feste Innentemperaturen in ganzen Häusern zur Norm gemacht und bewertet Wohnräume hauptsächlich danach, inwieweit sie Wärme verteilen und speichern, Energieverluste verhindern und den Wärmeaustausch regulieren können. Dieser moderne Fokus reduziert Wärme jedoch auf eine einzige, messbare Dimension. Dabei wird eine facettenreiche Vergangenheit übersehen, in der die Raumtemperaturen innerhalb desselben Hauses erheblich variierten, die Bewohner über spezifisches Know-how zur Bedienung lokaler Wärmequellen wie der Pigna verfügten und die Wärmeproduktion im Haushalt untrennbar mit alltäglichen Praktiken verbunden war – vom Kochen bis zur Tierpflege. 

In diesem Vortrag wird ein laufendes Forschungsprojekt an der ETH Zürich vorgestellt, das sich mit dem vergessenen Verständnis von häuslicher Wärme in den Alpenregionen der Schweiz vor der industriellen Modernisierung befasst. Auf der Grundlage historischer Studien, Archivquellen und Simulationen der Gebäudeeffizienz gibt der Vortrag einen Überblick über die Geschichte der Hauswärme in der Schweiz in den letzten zwei Jahr-hunderten, einschliesslich Graubündens.